Neurodivergenter Burnout
Ein neurodivergenter Burnout tritt besonders bei Menschen mit Autismus, ADHS, AuDHS oder Hochsensibilität auf. Er ähnelt äußerlich einem klassischen Burnout, sprich Erschöpfung, Antriebslosigkeit und emotionale Ausgebranntheit, unterscheidet sich jedoch in Ursache, Verlauf und Symptomen deutlich.
Neurodivergente Menschen erleben häufig eine andere Belastungssituation, da ihre Gehirne Reize, soziale Interaktionen und Anforderungen anders verarbeiten. Dadurch kann sich ein Burnout schneller entwickeln, intensiver auswirken und länger anhalten.
Ursachen von neurodivergentem Burnout
Ein neurodivergenter Burnout entsteht selten allein durch äußeren Stress. Folgende Ursachen sind häufig, wobei oft eine Kombination von mehreren Ursachen der Fall ist:
- Masking und dauerhafte Anpassung: Permanentes Verstecken von Eigenarten, Impulsen oder Bedürfnissen führt zu Erschöpfung.
- Überstimulation: Reizüberflutung durch Geräusche, Licht, soziale Interaktionen oder emotionale Anforderungen.
- Hohes Verantwortungs- und Perfektionsbewusstsein: Starker innerer Kritiker und Selbstdruck.
- Ungünstige Routinen und Zeitmanagement: Zeitblindheit, Schwierigkeiten anzufangen oder aufzuhören, Überforderung durch Multitasking.
- Fehlende Rückzugsmöglichkeiten: Kein Raum, um sich zu erholen, zu verarbeiten oder einfach „man selbst“ zu sein.
- Kombination von neurodivergenten Merkmalen: Beispielsweise Autismus + ADHS (AuDHS) erhöht die Wahrscheinlichkeit durch doppelte Anforderungen.
Symptome von neurodivergentem Burnout
Die Symptome überschneiden sich mit dem klassischen Burnout, sind aber oft intensiver und vielfältiger:
- Körperliche Erschöpfung: Müdigkeit, extreme Erschöpfungszustände
- Mentale Erschöpfung: Konzentrationsprobleme, Aufgabenlähmung, Zeitblindheit, Überforderung bei Entscheidungen, dysregulierte Exekutivfunktionen
- Emotionale Symptome: Stimmungsschwankungen, intensive Gefühle, verzögerte Verarbeitung von Emotionen, depressive Episoden
- Sensorische Überlastung: Geräusche, Licht, Berührungen oder Reize werden kaum ertragbar
- Soziale Rückzugsbedürfnisse: Rückzug von Kontakten, Schwierigkeiten im Umgang mit Menschen
- Identitätsverlust: Gefühl, den eigenen Bedürfnissen, Interessen oder Werten entfremdet zu sein
- Burnout-Folgen durch Masking: Verlust der Authentizität, Selbstzweifel, Überanpassung, innere Leere
Es braucht spezifische Strategien
Ein nNeurodivergenter Burnout erfordert demnach andere und vor allem spezifische Strategien:
- Reduzierung von Reizen und sozialen Anforderungen
- Bewusstes Erkennen und Ablegen von Masking-Strategien
- Struktur und Routinen, die den eigenen Bedürfnissen entsprechen
- Auszeiten, Rückzugsmöglichkeiten und Selbstfürsorge
- Anpassung der Lebensumstände und Lebensweise auf die neurodivergenten Bedürfnisse
- Professionelle Unterstützung, z. B. durch Therapie oder Coaching, die neurodivergente Besonderheiten berücksichtigt
Neurodivergenter Burnout ist halt nicht nur „mehr Stress“, sondern er entsteht durch die besondere Art, wie neurodivergente Menschen die Welt verarbeiten. Er äußert sich intensiver, betrifft alle Lebensbereiche und erfordert ein bewusstes Anpassen von Lebensumständen, Rückzug und Selbstfürsorge, um langfristige Erholung zu ermöglichen.
Erfahre mehr über
Neurodivergenz – Neurodiversität
Was diese beiden Begriffe bedeuten und wie sie sich voneinander unterscheiden.
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Intensiver sehen, hören, fühlen – Hochsensibilität erkennen, verstehen und nutzen
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AuDHS
Eine komplexe und herausfordernde neurodivergente Kombination – AuDHS erkennen, verstehen und nutzen
Masking & Authentizität
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Neurodivergenter Burnout
Intensiver, alle Lebensbereiche umfassend und einfache Erholung genügt nicht – neurodivergenten Burnout erkennen und verstehen
