Masking & Authentizität bei Hochsensibilität, Autismus, ADHS und AuDHS
Viele neurodivergente Menschen, sei es mit Hochsensibilität, Autismus, ADHS oder einer Kombination wie AuDHS, entwickeln im Laufe ihres Lebens Strategien, um sich an die Erwartungen anderer anzupassen. Dieses Masking kann helfen, Konflikte zu vermeiden oder im Alltag besser zu funktionieren. Gleichzeitig birgt es Risiken. Wer ständig anpasst, verliert leicht die Verbindung zu sich selbst, erkennt eigene Bedürfnisse nicht mehr und gerät schneller in Überforderung oft bis hin zu einem neurodivergenten Burnout.
Was ist Masking?
Masking bedeutet, dass man eigene Gefühle, Impulse, Eigenheiten oder Bedürfnisse bewusst oder unbewusst versteckt, um gesellschaftlichen Normen oder Erwartungen zu entsprechen. Beispiele sind:
- Verhaltensweisen unterdrücken (z. B. Stimming bei Autismus, impulsives Reden bei ADHS)
- Emotionen zurückhalten oder verbergen
- Gedanken oder Meinungen anpassen, um nicht aufzufallen
- Überanpassung in sozialen Situationen, Smalltalk „spielen“
- Bedürfnis nach Ruhe oder Rückzug ignorieren
Masking ist oft eine Überlebensstrategie und kann kurzfristig Sicherheit, Akzeptanz und Zugehörigkeit schaffen.
Facetten der Anpassung
Masking ist nicht immer gleich problematisch. Es gibt verschiedene Formen der Anpassung, die man unterscheiden sollte:
1. Funktionale Anpassung (hilfreich)
Kleine soziale Anpassungen, die das Zusammenleben erleichtern, ohne die eigene Identität zu verlieren.
Beispiel: Höflichkeitsfloskeln verwenden oder laute Umgebungen kurzfristig tolerieren.
Ziel ist es, Konflikte zu vermeiden, Zusammenarbeit oder Alltag zu erleichtern.
2. Übermäßiges Masking (problematisch)
Verbergen von Kernpersönlichkeitsmerkmalen oder Bedürfnissen. Ständige Selbstkontrolle, um nicht „auffällig“ zu wirken.
Die Konsequenz ist oft Erschöpfung, Burnout und der Verlust von Selbstwertgefühl und Identitätsgefühl.
3. Selbstschutz-Masking
Temporäres Masking in belastenden Situationen, um Sicherheit zu wahren.
Beispiel: Arbeitsplatz oder Schule, wo man sich noch nicht authentisch zeigen kann.
Hier liegt der Schlüssel in bewusster Wahl und begrenzter Dauer des Maskierens.
Wann ist Masking in Ordnung und wann wird es zum Problem?
Anpassung ist hilfreich, wenn:
- Sie bewusst und situativ eingesetzt wird.
- Die eigenen Kernbedürfnisse respektiert bleiben.
- Sie nur kurzfristig erforderlich ist.
Anpassung wird problematisch, wenn:
- Sie dauerhaft notwendig ist, um akzeptiert zu werden.
- Man die eigenen Gefühle, Interessen oder Grenzen dauerhaft unterdrückt oder übergeht.
- Die Selbstwahrnehmung verschwimmt („Ich weiß nicht mehr, wer ich bin“).
- Stress, Erschöpfung oder Burnout auftreten.
Risiken von dauerhaftem Masking
Langfristiges Masking kann erhebliche Folgen haben:
- Verlust der Verbindung zu sich selbst: Man verliert das Gefühl, wer man wirklich ist.
- Innere Leere und Unsicherheit: Man weiß nicht mehr, welche Gefühle, Vorlieben oder Bedürfnisse authentisch sind.
- Neurodivergenter Burnout: Körperliche, emotionale und mentale Erschöpfung durch ständige Selbstanpassung.
- Erhöhte Stress- und Angstlevel: Permanente Überwachung des eigenen Verhaltens erzeugt inneren Druck.
- Starker innerer Kritiker: Selbstvorwürfe entstehen, weil man sich „nicht genug authentisch“ fühlt.
- Schwierigkeiten, Grenzen zu setzen: Die eigenen Bedürfnisse werden zugunsten äußerer Erwartungen ignoriert.
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Masking & Authentizität
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